Eine endlose Suche

Susan Donoghue, eine führende Mitarbeiterin bei einer großen Anwaltskanzlei, wachte an diesem Morgen zum Geruch von frischem Kaffee auf. Ihr Mann Robert brachte ihr Kaffee und ihren Lieblings-Donut mit Schokoladenfüllung und Vanille ins Bett, seit der ersten Nacht, die sie zusammen verbracht haben. Und in zwölf Jahren Ehe hat er kaum einen Morgen verpasst.


Diese scheinbar unbedeutende Geste war in Wirklichkeit ein wichtiges Ritual, das ihre Beziehung die ganze Zeit über aufrecht erhielt. Würde sie den Kaffee selbst zubereiten, würde Robert sofort wissen, dass zwischen den beiden etwas nicht in Ordnung ist.

Aufgewachsen auf einer Farm in Iowa als jüngstes Kind von Harrison und Marge Donoghue, hatte Susan immer Schwierigkeiten, ihren Platz in der Welt zu finden. Ihr Liebesleben war keine Ausnahme. Ihre Beziehungen waren chaotisch und dauerten nie länger als ein paar Wochen. Im Alter von 26 Jahren hatte Susan Donoghue noch nie eine ernsthafte und glückliche Beziehung erlebt.

Männer kamen und gingen, jeder hinterließ ein Loch in ihrem jungen und naiven Herzen, bis sie ganz aufgab und sich der Arbeit widmete, und der Aufbau einer Karriere zu ihrer Mission wurde.

Doch jeden Abend, nachdem sie sich unter eine Decke gekuschelt hatte, versuchte sie in ihrer Wohnung im fünften Stock eines großen Wohngebäudes, das nur ein paar Kilometer von ihrem Büro entfernt war, ein oder zwei Stunden lang, das Rätsel ihres Liebeslebens zu lösen.

Susan hatte immer ein paar Kilo mehr über dem Optimum, aber das schien keinen Einfluss auf ihr Aussehen zu haben. Männliche Kollegen haben sie jeden Tag angesprochen, was ein klarer Beweis dafür war, dass Gewicht nichts mit Liebe zu tun hat. Ein paar Donuts ab und zu konnten nicht die Ursache für ihr Pech sein.

Inzwischen hatte Susan einen beeindruckenden Haufen Bücher gesammelt, die einen Ausweg aus ihrer verzweifelten Situation versprachen. Sie hatte sogar ein Regal voller Titel, die von einigen der renommiertesten Psychologen, Beziehungsexperten und Feministinnen verfasst wurden. Susan war fest davon überzeugt, dass sie es herausfinden kann, wenn sie bei ihrer Suche hartnäckig bleibt.

Doch ein einziger Vorfall… ein einziger Satz, den sie zufällig gehört hatte…. sollte alles verändern, woran sie glaubte – alles, was sie in all diesen Büchern gelesen hatte.

Während sie sich an diesem Abend mit einem kalten Getränk in der Hand in der Ecke der großen Lounge im Hotel entspannte, wo sie an einer jährlichen Anwaltskonferenz teilnahm, belauschte sie ein nicht ganz so subtiles Gespräch zwischen zwei älteren Frauen, die nur zwei Tische entfernt saßen.

Susan konnte sich nicht erinnern, wann sie das letzte Mal Frauen Bourbon trinken sah, und diese beiden hielten den Kellner beschäftigt. Der arme Kerl muss ein paar Meilen gelaufen sein, denn sobald er ihnen eine neue Runde gebracht hatte, würden sie gleich nach einer weiteren verlangen.

Die Rothaarige war um die 45 und es war klar, dass sie die Alpha-Frau war. Die andere, eine brünette, ungefähr Dreißigjährige in einer lustig aussehenden Jacke, hörte nur zu, lachte und fügte gelegentlich einen Kommentar oder eine Frage hinzu. Es war etwas, was die rothaarige Frau an einem Punkt sagte, das Susans Aufmerksamkeit erregte.

“Ich sagte ihr, dass sie Geister jagt. Es gibt nicht so etwas wie einen perfekten Mann. Wenn du einen willst, musst du ihn dazu machen. So wie ich es getan habe. Aber sie wollte nicht zuhören, also habe ich…”

Susan hörte auf zuzuhören. Ihre Gedanken drehten sich immer wieder um den Teil über die Geisterjagd.
 
Zwei Jahre später traf Susan Robert. Nach ein paar Monaten Beziehung zog Robert bei ihr ein. Ein Jahr später brachte sie einen Sohn zur Welt. Und als der junge Matthew zwei Jahre alt wurde, bekam er eine kleine Schwester, Marianne. Für Susan konnte das Leben nicht besser sein.

Hat Susan endlich ihren Geist gefangen oder ist sie einfach der Weisheit gefolgt, die sie an diesem Abend in der Bar gehört hat?
Wenn ja, wie hat sie es gemacht?

Eine starke, selbstbewusste Frau zu sein, die Männer bewundern und verehren, bedeutet, das innere Tier eines Mannes kontrollieren zu können.